Unmittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts

Unmittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts liegt vor, wenn ein Mensch aufgrund seines Geschlechts gegenüber einem anderen Menschen, der sich in vergleichbarer Lage befindet, schlechter behandelt wird.

Um unmittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts handelt es sich etwa dann, wenn eine Dienstleistung nur den Frauen oder nur den Männern angeboten wird oder dafür von Frauen und Männern ein unterschiedlicher Preis verlangt wird. Auch handelt es sich um unmittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts beim Verhalten, wo die Arbeitgeberin / der Arbeitgeber die Einstellung einer Bewerberin/eines Bewerbers nur oder in erster Linie deshalb verweigert, dass diese/dieser eine Frau oder ein Mann ist. Oft sind solche Situationen durch Vorurteile bedingt. So etwa glaubt die Arbeitgeberin / der Arbeitgeber, die/der eine Frau von der Wahl ausschließt, dass es sich um eine Arbeit handelt, die für Frauen nicht geeignet ist, oder dass die Frau in kurzer Zeit in den Schwangerschaftsurlaub geht. Die Vorurteile beziehen sich auch auf die Männer: die Arbeitgeberin / der Arbeitgeber kann etwa annehmen, dass die Männer nicht über notwendige Fertigkeiten und Voraussetzungen verfügen, sich um Kinder oder alte Leute zu kümmern. Auch kann vermutet werden, dass die Männer nicht bereit sind, für längere Zeit für ein niedriges Gehalt zu arbeiten.

Zur unmittelbaren Diskriminierung aufgrund des Geschlechts gehören auch geschlechtsbezogene und sexuelle Belästigung.

Nach dem estnischen Recht wird als unmittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts auch eine ungünstigere Behandlung einer Person wegen der Schwangerschaft und Geburt, ihrer Eigenschaft als Elternteil oder wegen der Wahrnehmung familiärer Pflichten oder aufgrund sonstiger Merkmale, die mit der Geschlechtszugehörigkeit verbunden sind, angesehen. Um unmittelbare Diskriminierung handelt es sich auch im Fall, wenn die Arbeitgeberin / der Arbeitgeber eine schwangere Frau gegenüber einer Frau, die nicht schwanger ist, ungünstiger behandelt, oder einen Mann in seiner Eigenschaft als Elternteil gegenüber dem Mann, der keine Pflichten in Zusammenhang mit Kindern hat, schlechter behandelt.

Als Diskriminierung aufgrund des Geschlechts gilt auch, wenn eine Person deshalb böswillig behandelt wird, dass sie sich bei der Wahrnehmung ihrer Rechte oder der Rechte der anderen Personen auf die Rechte und Pflichten, die im Gleichstellungsgesetz verankert sind, gestützt hat. Dies bedeutet, dass es der Arbeitgeberin / dem Arbeitgeber untersagt ist, eine Person, die gegen sie/ihn eine Beschwerde wegen Diskriminierung eingereicht hat, zu verfolgen, auch darf die Anstellung einer Person nicht deshalb verweigert werden, dass sie zuvor ihre Rechte geltend gemacht hat.

Bei unmittelbarer Diskriminierung kommt es nicht darauf an, ob solches Verhalten durch die Ungewissheit bedingt oder böswillig war.

Zur Feststellung einer Diskriminierung müssen sich zwei Personen in vergleichbarer Lage befinden. Um beurteilen zu können, ob es sich um Diskriminierung handelt, kann man untersuchen, ob die betreffende Person ungünstig behandelt worden wäre, wenn sie nicht eine Frau (bzw. ein Mann) wäre oder wenn sie keine Kinder oder pflegebedürftige Familienmitglieder hätte oder keinen familiären Verpflichtungen nachkommen müsste.